Nadelneu genäht

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Berlin-Moabit. Hanneke van der Hoeven berichtet aus ihrem Atelier:

„Wisst Ihr, was wir in den Weihnachtsferien gemacht haben…Nähen! Ich war erstaunt, dass die Mädchen noch nie wirklich genäht haben und nicht wussten, wie das funktioniert. Eine Nähmaschine ist so ein wichtiges Gerät, wenn man einmal weiß wie das geht, kann man die ganze Welt zusammen nähen …alles ist möglich! Nähen ist so ein schönes praktisches und auch künstlerisches Medium, das Dir dein ganzes Leben lang auf verschiedene Art und Weise nützlich sein kann.

Zuerst haben alle ein Rundschal genäht und das ist sehr gut angekommen. Am nächsten Tag kamen sie schon mit eigenen Ideen und Vorschlägen und brachten eigene sehr schöne Stoffreste mit. Eines der Mädchen hat selbst ihre Jacke renoviert, neue Knöpfe und warme Taschen dran genäht – sehr vernünftig ausgedacht und super warm.

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Es war schön zu sehen, wie gut das Nähen angekommen ist und wie die eigene Fantasie und Ideen sofort in Gang kamen. Für mich ist Nähen ein tolle alte, leider fast ausgestorbene Technik, die für mich sehr selbstverständlich ist, aber für junge Leuten nicht mehr. Das empfinde ich als einen grossen Verlust und es gibt mir viel, die jungen Leute damit bekannt zu machen. Jetzt wünsche ich mir nur noch, dass ein paar Jungs diese Kunst für sich entdecken.“

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Willkommen zurück in der analogen Welt!

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Berlin-Moabit. Bettina Keller hat vor einigen Wochen ihre alte Dunkelkammer entstaubt und mit ihrer Fotogruppe die analoge Fotografie wiederentdeckt. Viele von den älteren Leser/innen, wahrscheinlich die meisten Erzieher/innen haben das noch erlebt und früher selbst so fotografiert. Aber wer weiß denn heute noch, wie das überhaupt funktioniert?

Vor dem Siegeszug der digitalen Fotografie, bei der der Laie (und eigentlich auch der Fachmann) gar nicht mehr sieht, wie die Bilder zustande kommen, gab es den lichtempfindlichen Film, der in einer kleinen Spule aufgewickelt in die Kamera kam. Da durfte natürlich kein Licht hineinfallen, sonst war der Film futsch, weil er nur einmal kurz dem Licht eines Motivs ausgesetzt werden durfte. Deshalb waren die Spulen in kleinen lichtdichten Döschen verkapselt und wenn man den Film durch einen schmalen Schlitz herausgezogen und in eine Leerspule eingefädelt hatte, musste die Kamera geschlossen bleiben, bis alle Bilder durch kurzes Öffnen des Objektivs belichtet waren. Das machte jedesmal hörbar „Klick“, wenn sich der Verschluss des Objektivs öffnete und wieder schloss. Für jedes weitere Bild wurde der Film hinter der Linse des Fotoapparats entlang weitertransportiert. War der Film voll, wurde er in die kleine Filmdose zurückgespult und zum Entwickeln und Vergrößern der Fotos ins Labor gebracht.

Die meisten künstlerischen Fotografen machten das aber am liebsten selbst, in einer eigenen Dunkelkammer. Dort wurde der Film aus der Spule genommen und in einem Chemiebad entwickelt, danach mit einer anderen chemischen Lösung fixiert. So entstand ein Negativ, ein Filmstreifen, auf dem alles was dunkel ist, hell ist und alles was hell ist, dunkel. Vielleicht habt ihr so etwas schon einmal gesehen. Viele Eltern oder Erzieher haben sicher noch irgendwo alte Negative herum-liegen. Lasst sie Euch doch einmal zeigen. Aus dem Negativ kann man durch weitere Belichtung auf Fotopapier Vergrößerungen, sogenannte Papierabzüge machen, nicht nur einmal, sondern immer wieder. So entstanden dann die eigentlichen Fotos, die dann in den Rahmen oder ins Album kamen.

Auch das Vergrößern fand natürlich in der Dunkelkammer statt, weil das Fotopapier ebenfalls lichtempfindlich ist. Man arbeitet also nur bei Rotlicht, welches den noch nicht entwickelten Filmen und den Fotopapieren nichts anhaben kann, dem Fotografen aber erlauben, zu sehen, was da unter seiner Hand entsteht. Das ist eine sehr spannende Angelegenheit, weil man zusehen kann wie auf einem weißen Bogen Papier, den man in eine Schale mit einer Entwicklerflüssigkeit legt, wie aus dem Nichts plötzlich Umrisse eines Motivs, Licht und Schatten und schließlich auch Gesichter auftauchen. Sofort wird es aufregend: Ist die Aufnahme etwas geworden? Hat sich die Idee in ein Bild umsetzen lassen? Anschließend muss das Foto dann noch ins Fixierbad und dann getrocknet werden. Bei vielen Fotografen hingen die fertigen Fotos auf der Wäscheleine!

ko-DSC_0513Die Dunkelkammer bei Rotlicht aufgenommen.

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Das ist ein Kleinbildfilm, von dem ein Kontaktbogen gemacht wurde. Dazu werden alle Negative eines Films einfach auf einen Fotopapierbogen gelegt und belichtet. Der ziemlich lange Film wurde vorher in gleich lange Streifen zerschnitten. Der Kontaktbogen ermöglicht eine Übersicht und erleichtert die Auswahl der Motive. Die Löcher oben und unten im Film sind für die Zahnrädchen des Transportmechanismus der Kamera. Am Rand befinden sich auch Nummern zum leichteren Wiederauffinden eines Bildmotivs.

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Dies sind Teststreifen zum Errechnen der Belichtungszeit des Kontaktbogens. Erst wenn das Ergebnis optimal ist, wird mit der so ermittelten Belichtungszeit gearbeitet.

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Hier ist eine selbstgemachte Vergrößerung vom entwickelten Film zu sehen. 

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Hier sind Fotopapiere zu sehen, die eine lichtempfindliche Schicht haben und nur in der Dunkelkammer bei Rotlicht (welches dem Papier nicht schadet)ausgepackt werden dürfen. In der Gruppe wurde auch damit experimentiert, die Entwickler-flüssigkeit mit einem darin getunkten Pinsel direkt auf das Papier zu malen. Ein Ergebnis ist das kleine Bild rechts oben. Anschließend wird das Bild in der Fixierflüssigkeit haltbar gemacht. Dadurch werden nur die bemalten Partien belichtet und aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt. 

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Dies sind sogenannte Fotogramme, die ebenfalls ohne Zuhilfenahme eines Fotoapparates entstehen. Es werden Gegenstände (wie diese Glühbirnen) auf das Fotopapier gelegt und dann wird dieses Arrangement für wenige Sekunden belichtet. Anschließend erfolgt wieder die Fixierung.

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Ein Kontaktbogen und eine Vergrößerung, fotografiert mit einer Agfa Box und Rollfilm. Dies ist eine sehr einfache Kamera, ähnlich einer Lochkamera. Der Film musste sehr vorsichtig in die Kamera eingelegt werden, da er sonst manchmal aus der Spule gerutscht ist. In diesem Fall musste man früher kurz in die dunkle Besenkammer gehen und den Film wieder einfädeln, oder man machte das ganz geschickt im Inneren einer Handtasche.

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Diese Aufnahmen wurden mit einer analogen Nikon Spiegelreflexkamera gemacht. Es gab diese Technik natürlich auch in Farbe, aber sie ist für das eigene Labor zu kompliziert.

Interessant ist es aber auch heute noch, Fotos zu machen, die richtig antik aussehen wie das Foto am Kopf dieses Beitrags oder dieses Foto hier:

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