Die Idee

Popeye Kunst größer

Wie Kunst den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen fördern kann

Um effizient und zielgerichtet zu lernen, brauchen alle Menschen die gleichen grundlegenden Fähigkeiten:

–  eine differenzierte Wahrnehmung (akustisch, visuell, taktil)

–  eine genaue Unterscheidung von wichtigen und unwichtigen Informationen

–  eine strukturierte und planvolle Vorgehensweise

–  die Fähigkeit, komplexe Aufgaben in kleine überschaubare Teilschritte zu zerlegen

–  einen guten Umgang mit der Ressource Zeit

–  eine differenzierte Orientierung im Raum

Lernen wird durch visuelle und kognitive Impulse und Anregungen ausgelöst, die eng mit Gefühlen verbunden sind. Der lebenslange Lernprozess wird bestimmt von der Motivation (Lernziele, persönliche Ziele), der Erfahrung, von Grundfertigkeiten (Vergleichen, Kategorisieren, Raumorientierung, Planen, analytische Wahrnehmung, ganzheitliche Wahrnehmung) und Begriffen (Raumbegriffe, Verhältnis-begriffe, Prinzipien). Dieser Lernprozess kann jedoch durch äußere Faktoren wie schlechte soziale Bedingungen, psychische und/oder körperliche Traumatisierungen gehemmt, verzerrt oder gar blockiert werden.

Gerade bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen sind Lernmotivation und das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit aufgrund früherer demotivierender Erfahrungen oft fragil. Es dominieren Erfahrungen der Ausgrenzung, des Versagens und der Resignation spätestens mit Beginn des  Schulbesuchs.

Es bedarf daher eines neuen Zugangs durch Kunst und Bewegung und freies Experimentieren mit Material, Farbe, Form und Klang.  Neue Erfahrungen, neues Lernen soll ermöglicht und angeregt werden.

Das „Lernen Lernen“ entsteht ganz nebenbei durch eine verbesserte Wahrnehmung, gesteigerte Konzentrationsfähigkeit und das sich gezielt und planvoll mit Aufgaben auseinandersetzen, die nichts mit klassischen Schulsituationen zu tun haben.

Die Kinder und Jugendlichen lernen, für sie neue, aber eindeutige und klare Begriffe zu verwenden, eigene Lernstrategien zu entwickeln und Lernprozesse bewusst zu steuern. Damit diese ihre Wirkung entfalten können, müssen sie von Autonomieerfahrungen, Experimentierfreude bei gleichzeitiger Fürsorge und verbindlichen Beziehungen geprägt sein.

Das Projekt zielt darauf ab, Kindern und Jugendlichen, die in sozial belasteten Familien und unter prekären Bedingungen aufgewachsen sind, eine außerschulische und außerfamiliäre Förderung in den Ateliers von freischaffenden Künstlern zu ermöglichen, wo sie in kleinen Gruppen frei von Leistungszwang, in einer ausgewogenen Mischung von Orientierung und Freiheit des Experimentierens sowohl neue Lern- als auch Selbsterfahrungen machen können.

 

Die Zielgruppe

Das Förderangebot ist für Kinder und Jugendliche bestimmt, deren bisheriges Leben von Vernachlässigung, von oft traumatisierenden Erfahrungen und von emotionalen und körperlichen Entbehrungen geprägt ist.  Viele wurden von ihren Eltern einfach zurückgelassen. Die anderen wurden so vernachlässigt und/oder so misshandelt, dass sie nicht in ihren Herkunftsfamilien verbleiben konnten und fremdbetreut werden müssen. Nachdem sie als Pflegekinder aufgenommen worden sind, wird ihnen Zuwendung und ein Gefühl von Zugehörigkeit zuteil, wie sie sie in ihrem Leben zuvor nicht kannten und die sie (noch) nicht als Normalität empfinden konnten. Auch noch Jahre später können ihre emotionalen Störungen nur zum Teil aufgefangen werden, manche werden zur Aufarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse psychotherapeutisch begleitet.

Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie regelmäßige und zuverlässige Angebote brauchen, mit deren Hilfe sie ihre Persönlichkeit nachentwickeln können, um sich selbst als liebenswert, selbstwirksam und chancengleich mit anderen erleben zu können.

Das Projekt „KUNST  MACHT STARK: Kinder und Jugendliche in die Ateliers!“

wird an ihrer Kreativität ansetzen und ihnen einen weiten Rahmen geben, ihre Individualität ausdrücken und neue Erfahrungen sammeln zu können. In der musisch-künstlerischen Bildung und Erziehung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen nimmt das kreative Darstellen und Gestalten einen besonderen Stellenwert bei der Persönlichkeitsentwicklung ein. Es fördert nicht nur die Entwicklung ästhetisch-künstlerischer Kompetenzen, sondern eröffnet auch einen Zugang zur Herausbildung von Wertvorstellungen, von Toleranz, der Anerkennung des Andersartigen und zur Ausbildung von Selbst- und Sozialkompetenz. Die Identifikation mit dem gestalteten Material führt dazu, Erlebtes auszudrücken und sich durch diese Äußerung innerlich davon zu distanzieren. Zusammen mit dem Wohlbefinden und der Freude an der kreativen Beschäftigung führt dies zu einer persönlichen Integration und Stabilisierung.

Die Kinder und Jugendlichen, die in den Wohngruppen unseres Trägers in Brandenburg und Berlin sowie in den durch uns begleiteten Berliner Pflegefamilien leben, sollen ein Angebot erhalten, in dem sie musisch und künstlerisch gefördert werden. In der Nähe ihres Wohnortes werden sie in kleinen Gruppen – höchstens zu fünft – in Ateliers bei freischaffenden Künstler/innen in verschiedenen Kunstformen (Malen, Zeichnen, Keramik, Skulptur, darstellende Kunst, Fotografie sowie kreatives Gestalten mit Textilien) angeleitet werden. Sie setzen sich mit dort mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinander und erleben neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, der Wahrnehmung und Kommunikation.

Ziele sind die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch die Anregung der kreativen Potentiale der von ihrer Herkunft her sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Auf diese Weise sollen ihre kreativen Fähigkeiten stimuliert und gleichzeitig ein Kennenlernen kultureller Vielfalt in ihrem Lebensumfeld ermöglicht werden. Aus dem Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten, künstlerische Schwierigkeiten zu bewältigen, entsteht das Gefühl der eigenen Kompetenz. Das zielgerichtete Verhalten wird durch die eigene Initiative beim Suchen, Anstreben und Erreichen von Zielen auf systematischer Grundlage gestärkt. Es geht um das Bewusstsein der eigenen Einzigartigkeit und dem Willen zur weitgehenden Selbstverwirklichung. Wenn die eigene Innenwelt als bedeutsam erfahren werden kann, entsteht eine selbstbestimmte Motivation zum Lernen und Behalten. Die Selbstentwicklung wird durch gemeinschaftsorientiertes Verhalten angeregt, das die Kommunikation von Gedanken mit anderen und den eigenen inneren Dialog voraussetzt und ermöglicht. Aus dem Gefühl neue Herausforderungen gemeistert zu haben, entsteht das Bewusstsein der Selbstveränderung, der Möglichkeit des lebenslangen persönlichen Wandels zum eigenen Vorteil – trotz schlechter Ausgangsbedingungen in der Herkunftsfamilie.

Organisatorisches

Das Projekt KUNSTMACHT STARK wird ab Januar 2013  zunächst ein Jahr lang laufen. In dieser Zeit suchen die Kinder und Jugendlichen ca. 2 Stunden wöchentlich außerhalb der Ferienzeiten für 30 Wochen die Ateliers der Künstler/innen von ihrem Wohnort aus auf  (kleinere Kinder werden von den Erzieher/innen bzw. Pflegeeltern aus den Wohngruppen bzw. Pflegefamilien gebracht und abgeholt). Es wurde ein Netzwerk von wohnortnahen Künstler/innen geknüpft, mit denen die Angebote zu Workshops in unterschiedlichen Künsten und Kunsthandwerk entwickelt werden. Die Künstler/innen haben sich bereit erklärt, die Kinder und Jugendlichen regelmäßig, möglichst einmal wöchentlich, für zwei Stunden in ihren Ateliers aufzunehmen und anzuleiten. Die Kinder und Jugendlichen (in einer  Alterspanne von 8 – 18) sollen in relativ altershomogenen Gruppen angeleitet werden, also z.B. von 8 – 12 und von 12 – 18. Das Angebot ist freiwillig und an den Interessen der Kinder und Jugendlichen orientiert, so dass von einer hohen Motivation ausgegangen werden kann.

Um zu große Entfernungen zu vermeiden, ist das Projekt dezentral angelegt. Da die Wohngruppen des Trägers, insbesondere im Land Brandenburg verstreut sind, werden aus mehreren in einer Region liegenden Wohngruppen des Trägers Kursgruppen gebildet, für die jeweils Kursangebote veranstaltet werden.

Folgende Ateliers sind an dem Projekt beteiligt

in Brandenburg:

Karola Wirth, Keramik,  Letschin-Sietzing

Stefan Hessheimer, Fotografie, Bildbearbeitung, Groß-Neuendorf

Ernst J. Petras, Skulptur, Neuenhagen

Ernst J.Petras mit Kathie Sarue, Fotografie, Neuenhagen

Dorica Poggi, Theaterwerkstatt,  Altlandsberg

Hanna Strathausen, Textilbilder, Stoffintarsien,  Biesenthal

Mathilde Mélois, Daumenkinos, Knetanimation, Biesenthal

Catrin Sternberg,  Malerei, Öl, Acryl, Pastell, Eberswalde

Klaus Deutsch, Keramik, Holzskulpturen, Britz

Christian Uhlig, Malerei, Keramik, Angermünde

Birgit Uhlig, Kunst aus Filz, Angermünde

Günter Bonifer, Skulpturen aus Ton, Draht und Pappmaché, Falkensee

in Berlin:

Hanneke van der Hoeven, Zeichnen, Comics, Kunstbücher, Exkursionen, Berlin-Moabit

Bärbel Rothhaar,  Zeichnen, Malen, Farben herstellen, Kunstbücher, Kleinplastiken aus Keramik, Berlin-Mitte

Li Koelan, spielerische Farbenlehre, Malen, Origami, Holzskulpturen, Berlin-Neukölln

Bettina Keller, Fotografie, insbesondere Portraitfotografie, Objekte, Fassaden und Bildreportagen über das nähere städtische Umfeld, Berlin-Moabit

Ergebnisse

In den einzelnen Regionen und überregional in Potsdam sind Ausstellungen mit den Projektergebnissen geplant. Das Theaterprojekt wird in einer Aufführung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Durch das gegenseitige Kennenlernen und die Zusammenarbeit der Wohngruppen mit den freischaffenden Künstlern sollen lokale Bündnisse geschlossen werden, die auch in Zukunft Kindergruppen durch eine geringfügige Förderung eine künstlerische Bildungsförderung ermöglichen, z.B. in Sommer-Kunstcamps.

 

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